TIME Wirtschaftsnetz
Im Jahr 2009 soll TIMESOZIAL um ein Wirtschaftsnetzwerk erweitert, d.h. regionale Betriebe in das sozale Netz einbezogen werden. Warum?
Funktionierende Nahversorgung
Ein Grund, die regionale Wirtschaft und vor allem die Nahversorger zu stärken, ist, dass nach Erfahrungen in Vorarlberg die funktionierende Nahversorgung eine wichtige Voraussetzung für "Betreutes Wohnen" zuhause ist.
Die mobile Haushilfe und -pflege soll die Selbständigkeit zu Hause bis ins hohe Alter ermöglichen. Die Senioren müssen also aktiv sein und in ihrem Ort noch selbst einkaufen können. Wenn der nächste Supermarkt in Ballungszentren in 30 km Entfernung oder am Stadtrand liegt, wird im Alter die Versorgung mit Lebensmitteln und Gütern des täglichen Bedarfs vor allem in ländlichen Gemeinden zu einem Problem und das Wohnen zuhause nahezu unmöglich.
Deckung der Lebenshaltungskosten
Die primären Zielgruppen der TIME Nachbarschaftshilfe sind Menschen mit viel Zeit, aber wenig Geld (Pensionisten, Hausfrauen, Arbeitslose, Jugendliche etc.). Diese haben aber ein starkes Interesse daran, ihre Lebenshaltungskosten zu decken. Die Mitglieder müssen daher die Möglichkeit haben, Bartergeschäfte mit Firmen betreiben zu können, also Tätigkeiten über Zeitkonten abzurechnen und mit ihren Leistungen (Stunden) auch Produkte des täglichen Bedarfs kaufen zu können. Dazu benötigt es einen sog. Barter-Ring mit möglichst breitem und professionellem Angebot - vom Bäcker bis zum Installateur.
In Belgien gibt es beispielsweise seit 10 Jahren RES €URO - Das andere Geld, einen Barter-Ring mit ca. 5.000 lokalen Händlern und ca. 85.000 Verbrauchern (Jahresumsatz 30 Mio. €). Im Talente-Tauschkreis Vorarlberg werden ca. 50% aller Ausgaben bei Firmen getätigt. Auch Jugendliche haben ein besonderes Interesse, mit ihren Stunden "coole" Dinge kaufen zu können, die gerade angesagt sind. In Vorarlberg ist dieses Wirtschaftsnetzwerk bereits vorhanden, bei uns muss es mittelfristig entwickelt bzw. von Anfang an ins Konzept einbezogen werden.
Stärkung der sozial Schwächsten
Vor allem finanziell und sozial Schwache würden gerne ihre Zeitguthaben aus der TIME Nachbarschaftshilfe zur Deckung ihrer Lebenshaltungskosten bei den beteiligten Firmen ausgeben. Aus steuerlichen Gründen müssten aber gerade Arbeitslose, Frühpensionisten, Empfänger von Sozialhilfe, Ausgleichszulage (Mindestpension) oder sonstiger Sozialleistungen diese sozialen Hilfsdienste als Einnahmen versteuern (siehe Konzept der TIME Nachbarschaftshilfe). Dies würde zu einer Kürzung ihrer Bezüge oder zum Verlust von Vergünstigungen führen.
Gerade die Menschen, die am meisten Zeit hätten, sich an solchen Tauschsystemen zu beteiligen, und es am dringendsten nötig hätten, werden in Österreich und Deutschland aus diesen ausgeschlossen (in Australien, Kanada und den USA sind solche Systeme meist von Steuern befreit). Langfristiges politisches Ziel sollte sein, dass die Mitglieder aus der TIME Nachbarschaftshilfe einen Teil Ihrer Zeitguthaben direkt bei Firmen ausgeben können ohne diese versteuern zu müssen.
Vorerst geht TIMESOZIAL nach Vorbild vom Sozialzeitkonto der Gemeinde Elixhausen (Salzburg) folgenden Weg, um diese Probleme zu vermeiden: Die Regionalgruppen erhalten Gutscheine von den beteiligten Firmen. Bei den Regionaltreffen können die Mitglieder ihre Zeitguthaben in Gutscheine umtauschen. Wenn die Nachfrage in der Gruppe zu groß ist, muss sie diese unter ihren Mitgliedern (an die Bedürftigsten) aufteilen oder verlosen (siehe Regelwerk im Downloadbereich). Im Gegenzug leisten die Mitglieder von TIMESOZIAL kostenlose Nachbarschaftshilfe für die Kunden der Firmen. Die Firmen können die Geschenkgutscheine als Werbekosten absetzen. Wie das geht, und warum es im Interesse der Firmen liegt, sich am TIME Wirtschaftsnetz zu beteiligen, lesen Sie unter Eine Lösung.
Oft besteht das Problem, dass sich bedürftige Menschen nicht trauen, um Unterstützung zu bitten, oder schämen, Geschenke anzunehmen. Erfahrungsgemäß besteht dieses Problem bei Zeittauschsystemen nicht, da es sich ja nicht um Almosen handelt, sondern soziale Dienstleistungen erbracht werden müssen. Der Umweg, dass man aus steuerlichen Gründen mit seinen Zeitguthaben nicht direkt einkaufen kann, sondern diese zuvor in Geschenkgutscheine umtauschen muss, wird meist akzeptiert. Außerdem entsteht bei der TIME Nachbarschaftshilfe ein enges soziales Netzwerk, in dem sich (fast) alle Mitglieder kennen, sich bereits gegenseitig geholfen oder etwas miteinaner unternommen haben. Im Kreis dieser "Großfamilie" fällt es viel leichter, andere um Hilfe zu bitten oder Anspruch auf Gutscheine zu erheben, die einem für seine Leistungen ohnedies zustehen würden.
Bedarfs- bzw. Zeitlücke (Time Lag)
Wie Erfahrungen in Japan gezeigt haben entsteht bei reinen Zeitvorsorgemodellen eine Bedarfs- bzw. Zeitlücke (Time Lag): Bei Mitgliedern, die nach ein paar Jahren mehrere Tausend Stunden angespart haben, sinkt die Motivation, weitere Stunden zu leisten, da sie diese Guthaben ja erst in 30-40 Jahren ausgeben können. Was können sie mit den Guthaben bis zur Pension machen?
Es muss daher mittelfristig ein Netzwerk aufgebaut werden, damit die Helfer in der TIME Altersvorsorge die angesparten Stunden auch zwischenzeitlich ausgeben können, entweder für Hilfeleistungen in der TIME Nachbarschaftshilfe oder durch Einkäufe im TIME Wirtschaftsnetz. Um diese Probleme zu lösen, versucht nun auch Japan zusätzlich zum Alterspflegesystem ein wirtschaftliches Netzwerk aufzubauen.
Unter demselben Problem leiden auch deutsche Seniorengenossenschaften. In dem Trugschluss, Zeitguthaben seien ungeeignet zur Altersvorsorge, haben leider viele ihr System auf eine reine Euro-Abrechnung umgestellt. Die Bezahlung in Euro löst zwar den "Time Lag", verbaut jedoch die Chance, gemeinsame Rücklagen aufbauen und investieren zu können.
